Kunst reflektiert.

Es ist mal wieder so weit. In einem sozialen Netzwerk ließ sich eine juristisch gebildete Person, ihr Hobby ist Photographie, über Kunst aus.

Wie üblich spiegelten die Aussagen schlechten Kunstunterricht in den Schulen wieder. Gepaart mit dem idiotisches Marketing des sogenannten Kunsthandel. Dann noch die, zugegeben von Joseph Beuys angezettelte, Vermischung oder Gleichschaltung von Kunst und Kreativität. Erschreckend ist dann noch das reduzieren des Begriffes Kunst auf „bildende Kunst“ und und und.

Zunächst aber, auch wenn dies gern behauptet wird, Kinder sind keine Künstler. Kinder haben, dank einer Portion Unbekümmertheit, ein gesteigertes Potential an Kreativität. Diese ist aber ständig auch auf Anerkennung/Lob ausgerichtet. Vorbild und Nachahmung halt. Was daraus zu lernen ist? Ganz einfach, solange wir uns nicht selber einschränken und ohne Hemmungen sind erhöht sich das Potential an Kreativität. Mehr nicht!

Bei der Reduktion des Begriffes Kunst auf „bildende Kunst“  bin ich als Vorsitzender des einzigen spartenübergreifenden Kunstvereins in den deutschsprachigen Ländern natürlich voll im Thema. Zunächst sollte man um Kunst zu definieren mal auf alle Sparten der Kunst schauen. Dann die Geschichte von Artes Libera und Artes Manis anssehen. Einen Blick auf die Wandlung einiger Kunstsparten zu den Denk- und Arbeitsweisen der Artes libera im zeitlichen Kontext zu werfen schadet sicher auch nicht.

Vieles habe ich schon in den „10 Thesen zur Kunst“ und meinen „Erkenntnissen“ vorformuliert

Soviel noch vorab, der Philosoph Reinhard Knodt sagte mal zu mir: „Der Philosoph ist ein Künstler dem die handwerklichen Fähigkeiten zur umgesetzten Dokumentation fehlen.“ Daher legt ein Philosoph seine Gedanken offen dar. Das Schildert für mich recht exakt wo die Sparten der Kunst heute im gesellschaftlichen Kontext eingeordnet werden müssten.

In all den vielen Diskussionen über das Thema habe nie etwas von Wertung in der Kunst gesagt, sondern nur, dass das was Künstler herstellen nicht Kunst ist sondern — damit es besser und lieblicher zu verstehen ist — Artefakte.

Kunst ist das was vorher passiert und das was bei denkbereiten Menschen ausgelöst wird. Dies wiederum hat nichts mit Geschmack zu tun sondern mit einer entstehenden Regung die einen selbstrefentiellen Prozess im einzelnen Menschen auslöst.

Genau dies hat dann mit dem Einzelnen zu tun und lässt sich nicht anlesen. Denn, frei nach Andre Breton:

„Was das Artefakt Dir sagt ändert das Artefakt nicht!“

Der Entstehungsprozess eines Artefaktes unterliegt ziemlich festen Regeln und da nutzt es nicht einzelnes weg zu lassen.

Zunächst wird ein Initial im Künstler ausgelöst, da kann auch eine Bananalität der Anlass sein. Wichtig ist aber, das hierdurch ein Selbstauftrag zu weiterer Handlung entsteht. Dann beginnt die Phase des Denkens, Fühlens und Reflektierens. Alles was den Künstler hierbei bewegt dokumentiert er dann in einem Artefakt.

Für das entstehen des Artefaktes braucht der Künstler handwerkliche Fähigkeiten oder muss (was ich persönlich nicht sehr schätze) in der Lage sein einem Handwerker seine genauen Vorstellungen zu vermitteln. In jedem Fall sollte er aber dem Artefakt eine eigene, möglichst unverwechselbare, Ausdrucksform zugrunde legen. Diese kommt aber nicht durch krampfhaftes Ausprobieren, sonder durch Festigung der eigenen Techniken und der eigenen Person.

Um handwerklich weiter zu kommen ist es von Zeit zu Zeit nötig andere Arbeitsweisen auch die von anderen Künstlern auszuprobieren. Die so entstandenen Artefakte sind dann zwar Dokumente eines Lernprozesses, in den meisten Fällen nicht aber zwingend Dokumente eines künstlerischen Prozesses. Sollte es aber dennoch so sein handelt es sich meistens um sogenannte Eckwerke.

Warum meint eigentlich jeder wenn er das Handwerkszeug eines Künstlers in die Hand nimmt würde er Kunst machen? Er stellt ein Dokument her. Dieses kann zunächst mit dem Wunsch nach Dekoration, dem Wunsch nach Entspannung oder dem Nachvollziehen eines gesehenen Artefaktes zu tun haben.

Dabei sei anzumerken, der Wunsch nach Dekoration ist menschlich, sicher nachvollziehbar, hat aber mit Kunst nichts zu tun. Derjenige der dies professionell zum Gelderwerb betreibt ist ein sicher ehrbarer Kunsthandwerker aber kein Künstler. Leider werden unterdessen Kunstmessen zum Vertrieb solcher Arbeiten missbraucht anstatt den Weg über Möbelmessen zu gehen.

Wer zur Entspannung künstlert sucht einen therapeutischen Ausgleich oder einen Heilungsefekt. solche Arbeiten haben nichts in der Öffentlichkeit zu suchen, da sie Dokument eines seelischen Zustandes sind und das ist Privatsache.

Ebenso ist es, das ist jetzt meine Meinung, mit Lehrarbeiten.

Unterdessen haben selbst die Hochschulen erkannt, dass es unbedingt Notwendig ist die eigene Arbeit im künstlerischen Kontext einzuordnen. Dies ist Lehr- und Trainingsfach! Durch die derzeit herrschende Schwemme an Worten, Tönen und Bildern stumpft in der Öffentlichkeit die Kritikfähigkeit immer weiter ab, sodass Kunsthistoriker wie Klaus Honnef oder Raimund Stecker durchaus verständlich das Ende der Photograhie postulieren.

Im übrigen benutze ich zwar auch Skalpelle, bin deswegen aber kein Chirurg. Ich schreibe auch durchaus rechtsverbindliche Texte, bin deshalb aber kein Jurist. Ich erzeuge auch durchaus Klangfolgen, bin aber kein Musiker. Was ich auch mache ist das Verkaufen meiner Artefakte, aber ich bin deswegen kein Kaufmann.

— Ganz im Gegenteil, ich bin immer froh Fachleute an meiner Seite zu wissen. —

Würde ich mir von vielen Menschen für den Umgang mit Künstlern auch wünschen.

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