„Kunst kann man nicht kaufen!“

Diese Aussage von mir schockt immer wieder das gesamte Betriebssystem Kunst. Wenn ich dann noch nachlege und behaupte :“Die Ware Kunst ist nur zu retten, wenn wir sie abschaffen!“, ist die Verwirrung komplett. Doch worum geht es tatsächlich?

Kunst

Es geht eindeutig darum wie Kunst definiert wird. Ich habe es in folgendem Satz zusammengefasst: „Kunst sind die Prozesse, die ein Mensch in einer selbsterfundenen Sprache dokumentiert!“ Somit wird klar, das ein Text, ein Lied/Musikstück, eine Performance, eine Plastik, ein Bild… immer nur die Dokumentation eines aus Wahrnehmung und Denken entstandenen Prozesses ist. Improvisation kann daher eher als Meditation gesehen werden, denn als bewusstes dokumentieren eines Kunstprozesses. Improvisation darf nicht zum Selbstzweck werden. Erschreckend ist, dass große Teile, dessen was heute als „Kunst“ versucht wird zu verkaufen, diese minimalen Voraussetzungen nicht erfüllt sondern sich auf den Bereich Unterhaltung beschränkt. Kunstdokumente dürfen durchaus unterhalten und auch dekorativ sein, dies darf aber nicht einziger Zweck sein.

Cornelius Rinne

9 Kommentare zu „„Kunst kann man nicht kaufen!““

  1. Es ist doch egal, wie Kunst definiert wird. In den meisten Fällen steht am Ende des Prozessen ein physischer Gegenstand. Den kann man von der Wand abhängen oder vom Sockel holen, irgendwo anders hinhängen oder hinstellen. Und man kann den Gegenstand kaufen.

    Auch ich sehe meine Arbeiten als Ergebnisse eines Prozesses. Trotzdem verkaufe ich diese Ergebnisse (auch wenn es streng genommen nur Zwischenergebnisse sind).

    Selbst eine Performance ist käuflich. Der Performer kann Eintritt verlangen, die städtische Galerie kann dem Performer ein Honorar zahlen.

    Ich kann auch drei Tage über etwas nachdenken, zu einem Ergebnis kommen & das Ergebnis des Nachdenkens, eine Idee, verkaufen. Das Ergebnis des Nachdenkens ist doch auch aus einem Prozess entstanden & trotzdem käuflich zu erwerben.

    Ich sehe da keinen Widerspruch, für die Dokumentation eines Prozesses Geld zu verlangen. Wenn ich es runterbreche auf das, was es ist: Ich tue etwas, was eine bestimmte Zeit dauert, Stunden oder Tage, lege einen Stundenlohn zu Grunde wie ein Handwerker & verkaufe die Dokumentation des Prozesses für Geld. Ich erbringe eine Leistung & bekomme dafür Geld.

    Ob die Leistung nun Prozess, Bild, Objekt, Artefakt, Hobbykunst, Profikunst, Kunsthandwerk oder Idee heißt, spielt keine Rolle.

    Und als Künstler muss ich, wie jeder andere Mensch, meine Miete, meine Nahrung & meinen Lebensunterhalt mit Geld bezahlen.

    Und schließlich steht ja auch unter Deinen Posts: „Preis auf Anfrage“ …

    1. Klar steht bei mir auch „Preis auf Anfrage“ unter fast jedem Eintrag, der Unterschied ist allerdings, das ich ein Dokument oder meinetwegen auch Artefakt verkaufe. Das was Kunst ist habe ich in einem Prozess durchlebt und der Käufer des Dokumentes muss sich seinen, betrachtenden, Prozess Kunst erarbeiten. Was er kauft ist nur oder vielleicht sogar ein Dokument. Wenn er das nur so an die Wand hängt z.B. um andere zu beeindrucken hat er nur das Dokument, geht er aber in den inneren Austausch mit dem Werk wird er etwas wichtiges über sich erfahren. Dann besitzt er vermutlich Kunst. Genau das macht einen riesigen Unterschied.

      1. Aber wer kann in die Herzen der Künstler & Käufer blicken & nachprüfen, ob sie wirklich aus lauteren, authentischen & wahrhaftigen Motiven handeln oder ob niedere Beweggründe ihr handeln bestimmen? Letztlich bleibt alles eine Behauptung. Und ob jemand 100 Euro oder 1.000 000 Euro für ein Geld bezahlt ist da auch nur ein gradueller Unterschied, den inneren Austausch kann er sowohl bei hoch- als auch niedrigpreisigen Kunstwerken finden …

      2. Die Problematik liegt doch nicht in niederen Beweggründen, denn letztendlich betrügt ein reiner Dokumentenkäufer sich selbst. Er betrügt sich nämlich um den Kunstbesitz. Ich besitze z.B. die Mühle bei Nacht von Emil Nolde auch wenn sich das Dokument, also das Aquarell, nicht in meinem Besitz befindet. Sicher wäre es ideal auch Eigner des Bildes zu sein, so trage ich es halt im Herzen und habe eine Erinnerung daran in meinem Bücherregal stehen.

        Wahrscheinlich ist es eine der größten Herausforderungen unserer Zeit wieder an den Besitz von ideellen Werten zu glauben und Schaffende, die diese in die Gesellschaft geben, auch materiell zu fördern.

      3. Übrigens stehen vor den Büchern mit den Erinnerungen zwei original Dokumente von Dir, die ich zwar nicht gekauft habe, aber bei denen ich der Ansicht bin auch die Kunst zu besitzen, den immer wenn ich vor sie trete und sie betrachte treten sie in einen Dialog mit mir. Sie erzählen von Austausch und Begegnung von geistiger Anregung und auch von einer Interaktion. Diese Bilder füllen immer wieder mein Herz und das eine erzählt mir auch über ein Erlebnis, dass Du nicht so direkt hattest wie ich. Dennoch hat es Dich dazu bewegt Deinen Eindruck in Bild zu fassen.

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