Bildung oder Erziehung

Aus gegebenem Anlass, diesmal nur Text!

Gestern, am 8. Oktober 2013, verfolgte ich das ZDF-Programm recht lang und sah auch noch die Sendung „heutenacht“. Daher weiß ich nicht mehr genau ob der von mir anzusprechende Beitrag im „heutejournal“ oder in „heutenacht“ lief. Es war eine dieser telegenen Fussgängerzonenbefragungen. Ein Reporter des ZDF trat mit 2 Schokoladentafeln bewaffnet an Passanten heran und stellte folgende Frage: „ Wenn Sie 2 Tafeln Schokolade zum Preis von einer bekommen, wie viel haben Sie gespart?“ Die gewünschte, auf Mathematik abzielende, Antwort war 50%. In meinem Halbschlaf ähnlichen Zustand hatte ich diese Antwort auch sofort parat, erwachte aber schlagartig, denn bei der gewählten Fragestellung kann, bei genauer Textauslegung, die Antwort so nicht gegeben werden.
Warum?
Die Fragestellung zielt auf Sparen ab. Dies bedeutet, dass ich nach dem Kauf eines benötigten Gegenstandes mehr Geld in der Tasche habe als zunächst angenommen. Sparen bedeutet aber nicht, das gleiche Geld auszugeben und sich zusätzliche Ware ans Bein zu binden. Die korrekte Antwort, auf die so gestellte Frage, müsste also lauten: „Nichts, ich erhalte allerdings 100% mehr Ware!“
Nun könnte man natürlich sagen, was ist das denn für ein Erbsenzähler, aber es geht in diesem Fall um die OECD-Bildungsstudie. Genau da liegt für meinen Begriff aber die Krux. Ich habe mir bereits bei der ersten Pisa-Studie die Fragen im Nachhinein angeschaut und musste auch damals schon feststellen, dass die Fragen nicht wirklich eindeutig gestellt wurden. Es handelt sich bei all diesen Tests immer um aus dem Englischen übersetzte Fragen und genau an dieser Stelle schleichen sich meines Erachtens Fehler bzw. Missverständlichkeiten ein. Ein Phänomen, dass wir derzeit in der Deutschen Sprache immer häufiger beobachten können.
Nehmen wir das oben schon benutzte Modewort „Bildung“. Dies wird oft als Übersetzung des englischen Begriffs „education“ benutzt. Ich habe gerade mal im großen PONS nachgeschaut, da steht unter dem Begriff education als deutsche Übersetzung: „n Erziehung f, (=studies, training) Ausbildung f, (=knowledge, culture) Bildung f;)“. Bildung wird somit nur als dritte Möglichkeit aufgeführt. Wenn ich davon ausgehe, dass an Schulen wissensvermittelnd Studien betrieben werden und dieses Wissen dann trainiert wird, wäre sicherlich der deutsche Begriff Erziehung wesentlich treffender als Übersetzung. Ausserdem beinhaltet dieser Begriff Werte wie heranziehen, auf einen Weg bringen, mit gesellschaftlichen Vereinbarungen und Werten vertraut machen.
Überhaupt sollte man den Begriff Bildung mal auf die Goldwaage legen. Vielleicht bin gerade ich als „bildender“ Künstler dazu prädestiniert. Bildung, hat immer etwas mit formen, Form geben, gestalten, schöpfen zu tun. (z.B. ich bilde eine Gruppe) Diese Aufgabe hat, der Legende nach, ein höheres Wesen (wir bezeichnen es im allgemeinen als Gott), zumindest im Groben, bereits erledigt. Nun ist es aber in einer aufgeklärten Gesellschaft am Einzelnen sich weiter zu entwickeln, also sich zu bilden. In dem Moment wenn man ihm diesen Prozess aus der Hand (aus der Eigenverantwortung) nimmt, wird er geformt. Dieses geht im allgemeinen mit Fremdbestimmung, Zwang und Verlust der individuellen Rechte einher. Dieses findet sicherlich in totalitären Staaten statt, darf aber für ein Land mit einer „freiheitlichen Grundordnung“ weder Ziel noch Weg sein. (Im übrigen hat ja wohl Pink Floyd diesen Missbrauch des Begriffes education bereits in ihrem Epos „The Wall“ angeprangert) Daher bin ich der Ansicht, wir alle sollten darauf drängen lieber von Erziehung als von Bildung zu sprechen. Schon dieser kleine Schritt würde sicherlich die Einstellung zur Wissensvermittlung und die Art wie sie geschieht, ansatzweise reformieren.
Ich könnte dieses noch mit vielen weiteren Begriffen fortsetzen würde mich aber freuen wenn man über meine Gedanken nachdenkt um sie nachvollziehen zu können. Vielleicht entwickeln sich dann, selbstdenkend, eigene Möglichkeiten, wie man unserer Gesellschaft diese Präzision wiedergeben kann.
Just my 2 cent!

Ein Moratorium…

… was ist das eigentlich? Tja da werden die alten Atommeiler abgeschaltet und auf ihre Tauglichkeit überprüft. Dann wird nachgedacht und eine Entscheidung gefällt. So macht das die Merkel doch gerade. — Weit gefehlt! Ein Moratorium hat nichts mit Atomstrom zu tun, eigentlich auch nichts mit überprüfen und nachdenken. Ein Moratorium ist eine zeitlich begrenzte Unterbrechung eines Vorgangs. Wozu man die gewonnene Zeit nutzt ist nicht festgelegt. Unser Leben ist durchzogen von Moratorien. Wir unterbrechen den Vorgang Arbeit und gehen in Urlaub. Ein Moratorium! Die Halbzeitpause ist ein Moratorium des Spiels! …

— Gut anhören tut sich der Begriff aber in jedem Fall! Vor allem so offiziell und wichtig.—

„Moratorium“ Acryl auf Leinwand, 100 x 70 cm, März 2011

Preis auf Anfrage